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Das Filmprojekt
Der Film «Zwischen Ararat und Matterhorn» möchte der Geschichte der Verbindungen zwischen der Schweiz und den Armeniern nachgehen und die Situation und Befindlichkeiten der zweiten und dritten Generation in unserer Gegenwart filmisch beleuchten. Während sich bei der ersten Generation die Frage nach ihrem Umgang mit ihren Erinnerungen an die Verfolgung stellt, rückt bei der zweiten und dritten Generation die Frage in den Vordergrund, inwiefern sie die Schweiz als ihre Heimat empfinden oder sich vor allem mit ihrer ursprünglichen Kultur identifizieren: Wie leben heute Armenierinnen und Armenier in der Schweiz? Möchten sie in erster Linie einfach als Schweizerinnen und Schweizer gelten? Wie definieren ältere und jüngere Armenierinnen und Armenier heute in der Schweiz (mit oder auch ohne Schweizer Pass) ihre Identität? Gerät bei der jüngsten Generation die Geschichte des Volkes in Vergessenheit? Hat ihre armenische Herkunft für die dritte Generation im Alltag heute noch eine soziale, politische und/oder kulturelle Relevanz? Sodann stellen sich bei den Armeniern in der Schweiz grundsätzliche Fragen, welche die innere und äussere Situation von Migranten betreffen: Wie sehen sich die Armenierinnen und Armenier in der Schweiz im Verhältnis zu anderen Migrationsgruppen in diesem Land? Gibt es Kultur-Stolz und Abgrenzungsbestrebungen? Haben die armenischen Migrantinnen und Migranten sogenannte «hybride Identitäten» gebildet, die weder der einen noch der anderen Kultur eindeutig zugeordnet werden können? Und: Kann die armenische Bevölkerung in der Schweiz allenfalls als gelungenes Beispiel von Integration beschrieben werden, bei dem eine gute Balance zwischen Anpassung und Aufrechterhaltung einer kulturellen Identität gefunden werden konnte? Könnte insofern eine genauere Betrachtung der Geschichte und des heutigen Lebens der armenischen Minderheit in der Schweiz vielleicht sogar Hinweise auf mögliche Lösungsansätze in einem vereinten, aber von nationalistischen Tendenzen durchzogenen Europa geben? Doch nicht nur die Armenierinnen und Armenier selbst sollen in diesem Film zu Wort kommen, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter der offiziellen Schweiz, die sich mit ihren historischen, politischen oder auch wirtschaftlichen Argumenten für oder gegen die Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch das Schweizer Parlament engagiert haben. Zentrale Fragen hier sind, wie die Schweizer Identität durch Ein- und Abgrenzung respektive durch Öffnung nach aussen und Stellungnahme in Völkerrechtsfragen (Verurteilung eines Genozids) definiert wird, wie und warum sich Schweizerinnen und Schweizer mit dem armenischen Schicksal identifiziert haben und allenfalls heute noch identifizieren und wie die Schweiz in Zukunft mitten in einem vereinten Europa stehen soll, das erwägt, die Türkei in die EU aufzunehmen. Wie geht die Schweiz heute in diesem gespannten politischen Umfeld mit ihren Minderheiten um? Geplant ist ein rund 50-minütiger Dokumentarfilm – gedreht sind inzwischen Szenen, die sonst verloren gewesen wären, nämlich zum Beispiel die Debatte und die Abstimmung im Bundeshaus zur Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch den Schweizer Nationalrat –, in dessen Zentrum drei Persönlichkeiten stehen, die jeweils für eine Bevölkerungsgruppe respektive Lebenssituation repräsentativ sind. Wir werden einen Armenier der ältesten Generation begleiten sowie eine junge Frau und einen Vertreter der mittleren Generation. Diese drei Protagonisten kommen zur einen Hälfte aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz, zur anderen Hälfte wohnen sie in der Westschweiz. Im Zentrum des Dokumentarfilmes sollen also vor allem die persönlichen Geschichten und das heutige Leben von Armenierinnen und Armeniern in der Schweiz stehen. Mich interessiert insbesondere ihr kulturelles Selbstverständnis und ihr Identitätsbewusstsein zwischen Tradition und Assimilation. Die drei Porträts sollen ergänzt oder kontrastiert werden durch Szenen, die das vielfältige kulturelle Leben der armenischen Diaspora in der Schweiz zeigen, wie es bei Festen (traditionelle Kermes-Feiern oder z.B. Hochzeiten), Gedenktagen (der 24. April ist offiziell der Genozid-Gedenktag der Armenier), religiösen Anlässen (Gottesdienste, spezielle Zeremonien) und kulturellen Veranstaltungen (Konzerte, Vorträge, etc.) sowie in Form von Vereins- und Jugendaktivitäten (Volkstanz, Armenischunterricht, Sportanlässe, etc.) gelebt wird. Der parlamentarische Entscheid vom 16. Dezember 2003 (die offizielle Völkermord-Anerkennung durch die Schweiz) soll zudem eine Rolle in Bezug auf die Frage spielen, wie er sich auf die Befindlichkeit von Armenierinnen und Armenier in der Schweiz ausgewirkt hat: Fühlen sie sich seit dem Entscheid in der Schweiz wohler und akzeptierter? Oder ändert der Entscheid im Gegenteil wenig bis gar nichts?
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